Bodenbewohnende Testaceen aus Deutschland I. Untersuchungen im Naturschutzgebiet Serrahn (Mecklenburg)

Schönborn W.

1964 · Limnologica · 2(1): 105-122

DOI: 10.1515/9783112531686-004 Publisher page

Abstract

Eine moderne systematische Bearbeitung der Bodentestaceen Deutschlands fehlt bisher. Nachdem vor allem französische und belgische Autoren seit etwa 8 Jahren eine Vielzahl bodenbewohnender Testaceen beschrieben haben, die vorzüglich an die edaphische Lebensweise angepaßt sind, wird dieser Mangel besonders spürbar. Die gründlichste Bearbeitung der bodenbewohnenden Testaceen Deutschlands ist immer noch die von Volz (1929). In letzter Zeit hat es sich gezeigt, daß den Bodentestaceen eine große Bedeutung für das Verständnis der Evolution und Ökologie der Testaceen überhaupt zukommt. Während der größte Teil der in Sphagnen und Laubmoosen lebenden Arten auch im See vorkommt und im See bereits praeadaptive Merkmale für das Leben außerhalb des aquatischen Bereichs besitzt, findet man im Boden neben den in Sphagnen und Laubmoosen lebenden Testaceen auch eine Anzahl von Arten, die terribiont sind. Leider kennen wir diese Arten bisher im wesentlichen nur aus Frankreich und Belgien. Einige von ihnen wurden nur einmal oder wenige Male gefunden. In Deutschland konnte bisher nur Plagiopyxis callida als terribiont angesehen werden. Wir müssen annehmen, daß bei den bodenbewohnenden Testaceen eine Anzahl Postadaptationen erfolgt sind, daß also neue Arten entstanden aus Formen, die aus dem See stammten. Für die Lebensräume der Sphagnen und Moose hat dies im viel geringeren Maße stattgefunden (Schönborn 1962a, 1962b). Mit dieser Arbeit soll der Anfang einer näheren Erforschung der Bodentestaceen Deutschlands gemacht werden. Die Untersuchungen beschränken sich zunächst auf das Naturschutzgebiet Serrahn (Mecklenburg); sie sind damit gleichzeitig ein Beitrag zu der heute angestrebten Inventarisierung der Fauna von Naturschutzgebieten. Untersucht wurden Kiefern-, Birken- und Buchenwälder mineralischer Böden und Torfböden. In der zusammenfassenden Liste der von mir bisher edaphisch gefundenen Testaceen sind auch die Funde aus der Umgebung des Großen Stechlinsees (Brandenburg) berücksichtigt.